Es ist keine einfache Situation, in der sich der junge Finanzangestellte Samuel Pepys (gesprochen saemjuel pi:ps) zu Beginn des Jahres 1660 befindet. Seine Frau hat ihm am Ende des vergangenen Jahres mitgeteilt, dass sie ihre Tage bekommen hat und nicht schwanger ist, wie er eigentlich gehofft hatte. Er ist arm. Sein Chef ist unausstehlich. Und das Land steht vor einem Bürgerkrieg. Trotz alledem: er ist jung und er ist ehrgeizig. Vor kurzem hat er eine Blasensteinoperation ohne Narkose überlebt. Nun ist er entschlossen, sein Leben in vollen Zügen zu genießen. Deshalb beginnt er, ein Tagebuch zu führen, damit er sich an allem, was er erlebt, ein zweites Mal erfreuen kann, indem er es aufschreibt. Und jedesmal wieder, wenn er seine Notizen viele Jahre später einmal nachlesen wird.

Am Ende wird sein Tagebuch die Geschichte eines beispiellosen gesellschaftlichen Aufstiegs enthalten, der ihn aus der beengten Dachkammer mitten hinein in das quirlige Leben der englischen Hauptstadt und das Zentrum der Macht am Hofe Charles II. führt. Samuel Pepys wird dadurch Augenzeuge der bedeutenden Ereignisse seiner Zeit, der Wiederherstellung der Monarchie nach dem Tod Cromwells, der Pest von 1665 und des großen Brands von London im darauf folgenden Jahr. Er zeichnet seine Beobachtungen bis ins kleinste Detail auf, stets begierig auf alles Neue, wie er sich einmal selbst beschreibt. Beinahe zehn Jahre lang führt er sein Journal, ohne es je zu unterbrechen. Er vermerkt seine Theaterbesuche und Schneiderrechnungen, notiert sich Mahlzeiten und den neuesten Klatsch, protokolliert seinen Vermögensstatus und seine jeweiligen Liebschaften. In diesen zehn Jahren wird er beginnen, die moderne britische Navy zu formen. Gleichzeitig wird er durch sein Tagebuch zum bedeutendsten Chronisten seiner Epoche und neben Shakespeare und Johnson zu einem der meistzitierten Autoren der englischen Literatur.

Seit seine Notizen zu Beginn des 19. Jahrhunderts entdeckt wurden, werden sie als eine der wichtigsten Informationsquellen über das Leben in der Barockzeit intensiv erforscht und ausgewertet. Im Rahmen des Pepys-Projekts werden sie vollständig ins Deutsche übersetzt und 350 Jahre nach dem jeweiligen Eintrag als Blog veröffentlicht.

Über einen Link >pepysdiary.com zu pepysdiary.com kann für den jeweiligen Tag der englische Originaltext des Tagebuchs aufgerufen werden. Hinweise auf themenbezogene Internetseiten unterstützen die vertiefende Recherche: Besuchen Sie z.B. die Schauplätze des Tagebuchs mithilfe des interaktiven Stadtplans auf den Seiten von Phil Gyford. Lesen Sie bei British History Online nach, welche Debatten zu Samuel Pepys’ Zeit im Britischen Parlament geführt wurden. Hören Sie die Musik jener Zeit, gespielt vom English Consort Seven Times Salt, oder finden Sie heraus, welche Dokumente das U.S. National Institute of Health über das Leben und Sterben der Menschen in der frühen Neuzeit gesammelt hat.

Samuel Pepys` Tagebuch eröffnet einen faszinierenden Einblick in die europäische Vergangenheit. Kommen Sie mit auf eine Zeitreise in das London des 17. Jahrhunderts?

London von Southwark aus gesehen, um 1630

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